Lausanne: Circuler avant tout
by genia
In einer städtebaulich-soziologischen Arbeit zum Thema “Centralités et verticalités lausannoises” verwendete ich zum ersten Mal die Photographie als Methode der wissenschaftlichen Untersuchung. Mittels Wiederholung und Vergleich objektivierte unsere Gruppe im Sinne des Soziologen Pascal Amphoux (l’approche sensible, qualitative, interprétative et multiple) die scheinbar subjektiven Momentaufnahmen und zog aus den Resultaten ganz konkrete Schlüsse.
Mit der Photographie analysierten wir Flüsse von Fahrzeugen und Menschen im Zentrum der Stadt Lausanne, auf der Achse Chauderon – Bel-Air – St. François. Die Überlagerung mehrerer lang belichteter Bilder erlaubt es, die Objekte auszublenden, welche in Bewegung sind. Nur das, was am Platz bleibt, erscheint im Photo. Wenn aber eine bestimmte Bewegung sehr stark ist, hinterlässt sie Spuren im Bild.
Hier einige der insgesamt 18 Photos. Für mich persönlich war nicht nur der methodologische, sondern auch der ästhetische Wert der Bilder wichtig. Auf den ersten Blick scheint die Stadt einfach leer zu sein, bis man die “Phantome” entdeckt. Eigentlich sind die Menschen und Autos immer präsent, bleiben aber, mit wenigen Ausnahmen, selten am Ort und bewegen sich am Betrachter vorbei, nur einen Hauch hinterlassend. Die Atmosphäre ist befremdlich, die Stimmung eigenartig und schwer zu definieren.




Nach dem Vergleich der Resultate konnten wir vor allem feststellen, dass der Strassenverkehr der präsenteste und konstanteste Faktor auf der untersuchten Achse während des ganzen Tages ist, während andere Nutzungen eher kurzzeitig sind. Zusammen mit anderen Methoden ergab sich, dass dieses Zentrum von Lausanne eher durch die Infrastruktur als durch öffentliche Plätze und Monumente definiert ist.